Vier Earnings, vier Geschichten: IBM, Philip Morris, Tesla und Google im Check
Datum: 23. Juli 2026
Die Earnings-Woche ist voll im Gang. Gestern am Mittwoch hatten vor allem vier Firmen Earnings, auf die ich ziemlich achte: einerseits Tesla, andererseits Google, dazu Philip Morris und IBM. Wir wollen uns heute im Snippet ein bisschen anschauen, was diese vier unterschiedlichen Ausgänge natürlich für das restliche Portfolio heißen.
Willkommen beim Snippet
Einen wunderschönen Donnerstagmorgen, es ist der 23. Juli. Willkommen beim Snippet, deinem täglichen kurzen Insight in die Finanzmärkte. Ich selbst bin Dr. Julian Hosp, Chief Investment Officer meines eigenen Family Offices mit über 100 Millionen Dollar Assets under Management. In diesen täglichen Snippets gebe ich dir den für mich einen wichtigsten Gedanken des Tages weiter, der heute meine eigenen Entscheidungen steuert, damit du auch weißt, was zurzeit für mich ein echtes Signal und was lediglich Lärm ist. Starten wir also hinein.
Wir hatten gestern natürlich wieder viele Firmen, die Earnings gehabt haben. Vier stechen vor allem raus. Ganz interessant: Jede hat so ein bisschen ihre eigene Geschichte und hat einen eigenen Impact aufs Portfolio. Gehen wir die Sachen also ein bisschen durch.
IBM: viel Negativität bereits eingepreist
Die eine Firma, die natürlich letzte Woche schon ziemlich für Furore gesorgt hat, war IBM. Die Aktie ging letzte Woche 25 Prozent runter, nachdem der Forecast, der gerade vor Q2 gegeben wurde, revidiert worden ist. Im Prinzip wurde hier einfach komplett Q2 ausgelöscht. Das ist sehr außergewöhnlich, dass so etwas mal bei einer Firma passiert. Auf längere Sicht irgendetwas zu revidieren ist okay, aber von einem Quartal auf das nächste bei so einem Konzern ist das schon sehr, sehr untypisch.
Viele Influencer, viele Leute da draußen haben gesagt, jetzt IBM nachkaufen, nachkaufen, nachkaufen. Wie gesagt, gestern bei den Earnings hat die Aktie dann wenig reagiert, weder rot noch grün. Aber klar, nachdem es 25 Prozent runtergegangen ist, kann es nicht nochmal viel weiter runtergehen. Da ist schon ziemlich viel Negativität eingepreist.
Philip Morris: langweilige, starke Earnings
Dann Philip Morris. Moralisch-ethisch als Zigarettenhersteller natürlich immer so ein bisschen fragwürdig in dem Ganzen, die Firma hatte aber langweilige Earnings, starke Earnings. Die Aktie ist grün. Gerade was das ganze Snus-Thema angeht, die Nikotin-Pouches, sehen wir hier super starkes Wachstum. Für viele ist es natürlich immer ein bisschen ein schwieriger Punkt, eine Aktie wie zum Beispiel Philip Morris im Portfolio zu haben.
Tesla: alles liegt in der Zukunft
Die dritte Firma, die gestern Earnings hatte, absoluter Retail-Liebling: Tesla. Schwacher Umsatz. Es waren zwar auf die letzten vier Quartale jetzt zum ersten Mal über 100 Milliarden Dollar Umsatz, wenn man sich aber das Umsatzwachstum anschaut, stagniert es brutal. Der Gewinn ist auch ziemlich geschrumpft, die Margen werden hier also komprimiert.
Das ganze Hopium liegt hier in der Zukunft. Die ganzen Robotaxis, die ganzen Optimus, dazu ein Merger mit SpaceX. Dazu gab es zwar keine Kommentare, das wird wahrscheinlich eher bei den SpaceX-Earnings am 4. August ein bisschen kommen, aber da liegt wirklich alles in der Zukunft.
Dementsprechend teuer ist die Firma auch. Sie hat ein unglaublich hohes KGV, ich glaube eines der höchsten KGVs im S&P 500. Da geht man einfach natürlich eine Wette auf die Zukunft ein, ob die dann eintrifft oder nicht. Das sieht man dann als Investor natürlich ein bisschen.
Google: Rekordgewinn und trotzdem negativer Cashflow
Die vierte Firma war Google, mit Rekordumsatz und Rekordgewinn. Hier muss man dazu sagen, Gewinn ist nicht gleich Cashflow. Ein riesengroßer Teil, nämlich knapp 100 Milliarden Dollar beim Gewinn, kam hier von SpaceX. Das ist natürlich ein Buchgewinn.
Ganz interessant, trotz dem Ganzen ein negatives Cashflow-Quartal. Das ist das erste, glaube ich, in der Geschichte von Google, seitdem sie an der Börse sind. An was liegt es? Wir haben fast 45 Milliarden US-Dollar Capital Expenditures, also KI-Ausgaben.
Dementsprechend wurde die Aktie doch abgestraft, trotz dem ganzen Hopium, was die neuen KI-Modelle angeht, und trotz dem brutalen Wachstum von 24 Prozent Umsatzwachstum. Auf dieser Größe ist das natürlich schon extrem. Die Investoren freuen sich aber natürlich nicht, dass hier am Ende Quartal über Quartal Geld verloren wird.
Es ist hier also genauso eine Wette auf die Zukunft, sie sieht aber ein bisschen anders aus als bei Tesla. Denn hier geht es jetzt nicht darum, dass vielleicht irgendetwas kommt, sondern eher darum: Kommen Renditen aus den ganzen Capital Expenditures? Kann man die ganzen LLM-Modelle, die da sind, über die bestehenden Kunden monetarisieren? Das sind hier natürlich viel mehr die Fragen.
Auf jeden Fall super spannend, das bei diesen vier Firmen so ein bisschen zu sehen. Zwei dieser Firmen habe ich selbst bei mir im Portfolio, zwei finde ich zurzeit nicht so ganz spannend.
Merksatz des Tages
Vier Firmen, vier Geschichten. Entscheidend ist nicht, ob die Zahlen gut aussehen, sondern ob hinter dem Gewinn auch wirklich Cashflow steht.
Gute Zahlen sind nur der Anfang
Diese Earnings zeigen sehr klar, warum oberflächliche Schlagzeilen nicht reichen.
IBM zeigt, was passiert, wenn bereits viel Negativität eingepreist ist. Philip Morris liefert langweilig starke Zahlen. Tesla bleibt eine teure Zukunftswette. Google zeigt Rekordgewinn, aber gleichzeitig ein negatives Cashflow-Quartal durch massive KI-CapEx.
Vier Firmen. Vier komplett unterschiedliche Signale.
Im Inner Circle gehen wir genau solche Earnings tiefer durch: Marktreaktionen, Cashflow, CapEx, Guidance, Mispricings, KI gestützte Analysen und konkrete Portfolio-Einordnungen aus der Perspektive meines Family Offices.
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