Droht die Bond Apokalypse? Warum China nicht die Ursache ist
20. Mai 2026
Daily Snippet

Droht die Bond Apokalypse? Warum China nicht die Ursache ist

Julian Hosp
Julian HospUnternehmer / Investor / Athlet / Familienvater

Datum: 20. Mai 2026

Droht die Bond Apokalypse? Die Wahrheit ist: China, dem gerade viele die Schuld geben, ist ein Symptom, nicht die Ursache. Wer das verwechselt, positioniert gerade sein Portfolio falsch.

In den nächsten Minuten geht es darum, was wirklich passiert, warum heute die Fed Minuten wichtig sind und welche Kräfte die Anleiherenditen gerade nach oben schieben. Und wenn Anleiherenditen steigen, dann drückt das die Anleihepreise nach unten.

Leute, einen wunderschönen Mittwochmorgen. Es ist der 20. Mai. Herzlich willkommen beim Snippet, deinem täglichen kurzen Insight in die Finanzwelt.

Anleihen dominieren gerade die Investment Schlagzeilen

Starten wir in dieses Anleihen Thema hinein, das zurzeit die Investment Schlagzeilen ziemlich dominiert. Schauen wir uns zuerst die Fakten an.

30 jährige Staatsanleihen stehen bei 5,2 Prozent Rendite. Das ist der höchste Stand seit fast 20 Jahren. 20 jährige Staatsanleihen liegen bei 5,205 Prozent. Das ist der höchste Stand seit November 2023.

Die 10 jährigen stehen bei 4,67 Prozent, ebenfalls fast auf dem höchsten Stand seit zwei Jahren. Die 2 jährigen liegen bei 4,11 Prozent und damit auch auf dem höchsten Stand seit letztem Jahr.

Die Folgen sieht man direkt: Der S&P ist nun den dritten Tag in Folge im Minus. Auch Gold und Silber sind runtergedropped.

Die Frage ist also: Woran liegt das Ganze? Was ist hier Lärm und was ist Signal?

Das China Narrativ ist Lärm

Starten wir mit dem Lärm: dem China Narrativ.

Die Schlagzeile sagt: China hat im März Anleihen verkauft. Ja, das stimmt. Es waren 41 Milliarden Dollar. Der Bestand ist auf 652 Milliarden Dollar gefallen. Das ist der niedrigste Stand seit fast zwei Jahren bei China.

Das klingt dramatisch. Es ist quantitativ aber ziemlich irrelevant, wenn man sich anschaut, dass der gesamte Anleihenmarkt bei 28 Billionen Dollar liegt. China hält mit 652 Milliarden Dollar nur einen kleinen Bruchteil davon.

Der eigentliche Beweis, dass es nicht China ist: Wir sehen einen globalen Bond Abverkauf. Nicht nur in den USA. In Japan stehen 30 jährige Staatsanleihen bei vier Prozent. In UK sind 30 jährige Anleihen auf einem 28 Jahres Hoch. Deutschland, Spanien, Australien, überall sehen wir diesen Ausverkauf.

Wenn China wirklich die Ursache wäre und die USA unter Druck setzen wollte, dann würden vor allem US Anleihen reagieren. Aber nicht die ganze Welt.

Dieses ganze Thema, dass China die Bond Apokalypse verursacht, ist für mich Lärm.

Das Signal: Drei strukturelle Treiber wirken gleichzeitig

Woher kommt der Druck also wirklich?

Für mich gibt es drei strukturelle Treiber gleichzeitig.

1. Inflations Repricing

Der absolut wichtigste Punkt ist das Inflations Repricing. Das ist die eigentliche Ursache.

Der April Print in den USA lag bei 3,8 Prozent. Das ist ein Dreijahres Hoch. Core CPI lag bei 3,2 Prozent. Das ist der höchste Stand seit November 2023. Auch der Producer Price Index zeigt zurzeit einen extremen Anstieg.

Woher kommt das? Ganz einfach: Der Iran Konflikt und der Ölpreis treiben vieles nach oben. Brent liegt bei 108 Dollar wegen der Hormus Blockade. Das ist der wichtigste Treiber.

Hohe Inflation macht Anleihen unattraktiver. Der Zins muss also nach oben. Und genau das drückt die Anleihepreise nach unten.

2. Fiskalische Deterioration

Der zweite Punkt ist die fiskalische Deterioration. Wir sehen Defizite in allen Ländern. Die USA geben mehr Geld aus, als sie einnehmen. Europa macht es genauso. Am Ende macht es fast jeder.

Keiner will echte Cuts. Die Leute lieben kostenlose Ausgaben. Sie wollen bekommen, ohne zu geben. Das passiert dann über Geld, das in Umlauf kommt.

Es ist nicht nur das Gelddrucken selbst. Entscheidend ist der erhöhte Umlauf dieser Geldmenge. Dieser Umlauf führt zur Inflation und dadurch wiederum zu höheren Zinsen. Und höhere Zinsen drücken Anleihen nach unten.

3. Nachfrageerosion als Symptom

Der dritte Punkt ist die Nachfrageerosion.

Natürlich haben Käufer weltweit weniger Interesse an Anleihen, wenn Inflation hoch bleibt und Staaten fiskalisch nicht sauber arbeiten. Aber das ist nicht nur ein US Problem. Das sehen wir in Japan, in Europa und überall.

Man muss dabei verstehen: Diese Nachfrageerosion ist ein Symptom. Sie ist nicht die eigentliche Ursache.

Die Ursache ist Inflation. Einerseits durch den Iran Konflikt. Andererseits durch Länder, die fiskalisch nicht mit Geld umgehen können.

Was heißt das für mein Portfolio?

Ich denke darüber seit Monaten nach, eigentlich sogar seit Jahren. Am Ende glaube ich, dass wir da am ehesten in eine Stagflation hineinlaufen.

Warum Stagflation? Wir sehen Inflation. Ich glaube, wir sehen auch eine drohende Rezession. Und diese Kombination führt am Ende genau in Richtung Stagflation.

Das hat klare Konsequenzen für mein Portfolio.

  1. Long Duration reduzieren. Wenn Anleiherenditen steigen, werden lange Laufzeiten besonders hart getroffen.
  2. Auf Firmen mit starkem Cashflow setzen. In so einem Umfeld werden Unternehmen wichtiger, die wirklich Geld verdienen.
  3. Auf Pricing Power achten. Die entscheidende Frage ist: Welche Firmen können höhere Kosten weitergeben und welche nicht?
  4. Sektorrotation ernst nehmen. In einem Stagflationsumfeld performen nicht alle Bereiche gleich. Man muss genauer schauen, welche Märkte stabil bleiben und welche unter Druck kommen.

Wer heute noch denkt, dass die Fed zurzeit Zinsen senkt, der kann ruhig weiter träumen. Ich glaube, wir werden heute in den Fed Minuten ziemlich klar bekommen, dass die Fed eher an Zinserhöhungen denkt als an Zinssenkungen.

Der wichtigste Denkfehler

Der große Denkfehler ist, China als Ursache zu sehen. China verkauft Anleihen, ja. Aber das ist nicht der Kern des Problems.

Der Kern ist Inflation. Der Kern ist fiskalische Schwäche. Der Kern ist, dass Staaten mehr ausgeben, als sie einnehmen, während Öl und geopolitische Risiken die Preise nach oben drücken.

Wenn du diese Story falsch liest, positionierst du dein Portfolio falsch.

Merksatz des Tages

Wer die Anleihen Story richtig liest, denkt nicht an China. Er versteht, dass es Inflation und fiskalische Schulden sind.

Genau deshalb wird Stockpicking in diesem Umfeld wieder so wichtig.

Wenn Anleiherenditen steigen, Inflation hartnäckig bleibt und Staaten immer mehr Schulden aufbauen, reicht es nicht, einfach blind in den Markt zu investieren und zu hoffen, dass alles weiter nach oben läuft.

In solchen Phasen zählen andere Dinge.

Starker Cashflow. Pricing Power. Solide Bilanzen. Geschäftsmodelle, die auch dann funktionieren, wenn Kapital teurer wird und der Markt nervöser reagiert.

Genau aus diesem Grund habe ich ein kostenloses PDF vorbereitet:

Meine 3 Investment Ideen für diesen nervösen Markt

Darin zeige ich dir 3 Unternehmen, die ich in diesem Umfeld besonders spannend finde und worauf ich konkret achte, wenn Märkte nicht mehr nur Wachstum belohnen, sondern wieder stärker auf Qualität, Substanz und echte Ertragskraft schauen.

Wenn du wissen willst, welche 3 Unternehmen für mich gerade in dieses Umfeld passen, dann lade dir das PDF hier kostenlos herunter:

Meine 3 Investment Ideen für diesen nervösen Markt

Julian Hosp
Julian HospUnternehmer / Investor / Athlet / Familienvater