Warum Gold trotz Inflation und Iran-Krise nicht stärker steigt
13. Mai 2026
Daily Snippet

Warum Gold trotz Inflation und Iran-Krise nicht stärker steigt

Julian Hosp
Julian HospUnternehmer / Investor / Athlet / Familienvater

Datum: 13. Mai 2026

Gold, das Edelmetall, der sichere Hafen, sollte normalerweise genau in solchen Phasen nach oben gehen. Wenn Inflationsängste da sind, wenn Unsicherheit da ist, wenn ein Iran-Konflikt läuft, dann erwartet man eigentlich, dass Edelmetalle stärker werden.

Wenn man sich die letzten Monate anschaut, sieht man aber ein anderes Bild. Gold war fast bei 5.500 US-Dollar die Unze, ist dann runter auf 4.500 Dollar und pendelt jetzt ungefähr um die 4.700 Dollar. Die Frage ist also: Warum steigt Gold nicht deutlich stärker?

Leute, einen wunderschönen Mittwochmorgen. Es ist der 13. Mai. Herzlich willkommen beim Snippet, deinem täglichen kurzen Insight in die Finanzwelt. 

Gold hatte einen meteorischen Anstieg

Zuerst mal ein bisschen die Fakten. Gold stand letzten Sommer, im August, noch ungefähr bei 3.400 Dollar die Unze. Danach kam ein meteorischer Anstieg auf über 5.300 Dollar. Das genaue Top lag bei 5.328 US-Dollar.

Wir sprechen also über fast 50 Prozent Anstieg in gerade einmal rund sechs Monaten bis Anfang Februar dieses Jahres.

Danach hat sich Gold ziemlich schwergetan. Im Februar kamen Gewinnmitnahmen, der Preis fiel auf ungefähr 4.600 Dollar die Unze. Danach gab es noch einmal einen Anstieg fast zurück ans All Time High, aber Gold konnte dieses Niveau nicht halten.

Dann kam der Iran-Konflikt. Gold fiel wieder Richtung 4.400 Dollar und hat sich seitdem zwar wieder etwas erholt, pendelt jetzt aber eher in dieser Zone herum.

Warum hält sich Gold nicht stärker?

Viele Investoren fragen sich natürlich, woran das liegt. Wir haben Krise. Wir haben Ungewissheit. Wir haben Inflation. Warum sehen wir in so einer Phase nicht viel klarer den sicheren Hafen als sicheren Hafen?

Gestern kamen wieder die Inflationsdaten aus den USA. Die Inflation steigt an. Auch in Europa steigt die Inflation.

Inflation heißt grundsätzlich steigende Preise. Dann gibt es noch das Konzept der Disinflation. Das bedeutet: Die Inflation geht runter, also die Preise steigen langsamer. Aktuell sehen wir aber eher wieder einen Anstieg der Inflation.

Eigentlich wäre das ein Umfeld, in dem Gold stärker laufen sollte.

Der erste Treiber: Gewinnmitnahmen nach dem starken Lauf

Ich glaube persönlich, dass es zwei unterschiedliche Treiber gibt.

Der erste Punkt ist der massive Anstieg vom letzten Jahr bis Februar. Gold ist fast 50 Prozent hinaufgelaufen. Danach haben viele Investoren Gewinne mitgenommen. Inklusive mir.

Wir haben das auch bei mir im Family Office so gemacht und im Inner Circle besprochen. Hier Gewinne mitzunehmen und ein bisschen umzuschichten, war aus meiner Sicht sinnvoll.

Das heißt nicht unbedingt, dass man glaubt, der Goldpreis muss jetzt fallen. Es heißt eher, dass es genug andere Chancen gibt, die vielleicht etwas attraktiver sind.

Ich glaube, dass viele andere Smart-Investoren das genauso gemacht haben. Und das hat natürlich Preisdruck erzeugt.

Gerade in Phasen mit Rücksetzern verkaufen Investoren oft Dinge, die sie verkaufen können. Nicht unbedingt die Dinge, die sie verkaufen wollen.

Das war für mich ein wichtiger Punkt.

Der starke Anstieg im letzten Jahr war auch stark durch Zentralbanken getrieben. Das war natürlich fantastisch. Aber nach so einem Lauf kommen irgendwann Gewinnmitnahmen.

Der zweite Treiber: Zinsen werden wieder wichtiger

In den letzten Wochen, gerade während der Iran-Krise und jetzt auch mit den Inflationsdaten, liegt es aus meiner Sicht aber an etwas anderem: Wir müssen davon ausgehen, dass Zinsen eventuell wieder ansteigen können.

In Europa sehen wir es schon. Die EZB sagt klar, dass es zwar zurzeit eine Pause bei den Zinsen gibt, man aber davon ausgeht, dass Zinsen ansteigen können, um dieser Inflation entgegenzuwirken.

Bei Gold entsteht dadurch ein Spannungsfeld.

Auf der einen Seite gibt es den inflationären Preisdruck nach oben. Auf der anderen Seite wirft Gold keine Dividende und keinen Zins ab. Wenn Zinsen steigen und Cash dadurch wieder attraktiver wird, kommt Gold unter Druck.

Das Gleiche gilt auch in den USA.

Da hilft es auch nicht unbedingt viel, dass Kevin Warsh jetzt gerade als neuer Fed-Chair bestätigt wurde. Die Chancen, dass er die Zinsen wirklich nach unten bringt, sind fragwürdig. Trump will das zwar unbedingt, aber ob es wirklich passiert, ist eine andere Frage.

Was ist Lärm?

Lärm ist für mich alles, was jetzt wieder die typischen Headlines ausmacht.

Gold Crash. Gold geht rauf. Chance des Lebens. Jetzt nachkaufen.

Das sind diese klassischen Lärm-Themen. Solche Schlagzeilen können natürlich Aufmerksamkeit erzeugen, aber sie helfen aus meiner Sicht nicht wirklich, den Markt sauber einzuordnen.

Was ist Signal?

Signal ist für mich vor allem die Inflation und damit verbunden die Wahrscheinlichkeit von Zinssteigerungen.

Das wird am Ende den Goldpreis entweder unter Druck setzen oder nach oben treiben.

Wenn Inflation hoch bleibt und Zinsen nicht stark genug reagieren, kann Gold profitieren. Wenn aber Zinsen weiter steigen und Cash attraktiver wird, kann das Gold belasten.

Das ist aus meiner Sicht der entscheidende Punkt.

Was heißt das für mein Portfolio?

Grundsätzlich sind solche Phasen für mich oft gute Nachkaufchancen. Zumindest bei mir im Portfolio. Gleichzeitig kann man solche Bewegungen auch gut nutzen, um teilweise umzuschichten.

Wie du das handhabst, hängt natürlich von deiner eigenen Risikotoleranz und deinem eigenen Zeithorizont ab.

Edelmetalle sind ein polarisierendes Thema, weil sie oft nicht so einfach zu bewerten sind wie Aktien oder Anleihen. Bei Aktien kannst du Cashflow, Gewinne und Bewertung anschauen. Bei Anleihen hast du Zinsen. Bei Gold ist es schwieriger.

Deshalb ist es umso wichtiger, nicht nur auf Headlines zu schauen, sondern auf die echten Treiber: Inflation, Zinsen, Cash-Attraktivität und die Frage, ob Investoren weiterhin Gold als sicheren Hafen nutzen oder lieber in andere Chancen umschichten.

Merksatz des Tages

Gold steigt nicht nur, weil Unsicherheit da ist. Entscheidend ist, ob Inflation, Zinsen und Cash-Attraktivität zusammen ein Umfeld schaffen, in dem Gold wirklich nach oben gedrückt wird.

Deshalb ist Gold für mich gerade ein gutes Beispiel dafür, warum reine Schlagzeilen nicht reichen.

Unsicherheit alleine ist kein Investmentcase. Inflation alleine ist kein Investmentcase. Ein Iran-Konflikt alleine ist kein Investmentcase. Entscheidend ist immer die Frage, wie diese Faktoren zusammenwirken und was der Markt daraus wirklich macht.

Im Inner Circle gehen wir genau solche Situationen tiefer durch.

Dort schauen wir nicht nur auf die Headline des Tages, sondern auf die echten Treiber dahinter:

  • Welche Rolle spielen Inflation und Zinsen wirklich?
  • Wann wird Gold zur Chance und wann eher zur Falle?
  • Welche Assets werden in solchen Phasen attraktiver?
  • Wo lohnt sich Umschichten und wo ist Geduld wichtiger?
  • Welche Signale sind relevant für ein langfristig starkes Portfolio?

Wenn du solche Marktphasen nicht nur oberflächlich verfolgen willst, sondern verstehen möchtest, wie ich sie für mein eigenes Family Office einordne, dann kannst du dich jetzt für den Inner Circle bewerben.

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Julian Hosp
Julian HospUnternehmer / Investor / Athlet / Familienvater