22 Prozent Mehrwertsteuer: Ist Deutschland überhaupt noch investierbar?
Datum: 09. Juli 2026
Deutschland diskutiert offenbar 22 Prozent Mehrwertsteuer. Das Ganze, während Deutschland beim Medianvermögen laut UBS hinter Griechenland liegt. Es geht hier also nicht um drei Prozentpunkte Steuer, es geht vielmehr um ein größeres Signal. Ist Deutschland investierbar? Ist wirklich interessant, was hier zurzeit abgeht, oder nicht?
Ein leicht politisch angehauchtes Thema
Einen wunderschönen Donnerstagmorgen, es ist der 9. Juli. Willkommen beim Snippet, deinem täglichen kurzen Insight in die Finanzwelt. Ich bin Dr. Julian Hosp, Chief Investment Officer meines eigenen Family Offices mit über 100 Millionen Dollar Assets under Management. In diesen täglichen Snippets gebe ich dir den einen für mich wichtigsten Gedanken des Tages weiter, der heute meine eigenen Entscheidungen steuert. In wenigen Minuten weißt du, was für mich heute ein echtes Signal ist und was lediglich Lärm ist. Starten wir also in dieses leicht politisch angehauchte Thema in Deutschland rein.
Die Fakten
Der Auslöser aus dem Ganzen: Die Bundesregierung in Deutschland diskutiert, die Mehrwertsteuer ab 2028 von 19 auf 22 Prozent zu erhöhen. Die Begründung ist ein Haushaltsloch. Statt weniger auszugeben, echt umzubauen oder auf Produktivität zu setzen, greift man wieder stärker auf den Bürger zu.
Parallel dazu kommt der UBS Global Wealth Report 2026, und der zeigt ein brutales Bild. Deutschland liegt beim Medianvermögen pro Erwachsenen bei rund 53.000 Dollar. Klingt toll, aber Griechenland liegt bei 59.000 Dollar. Darüber Spanien bei 112.000, Frankreich bei 122.000, Italien bei 131.000. Deutschland ist Schlusslicht.
Das ist absolut krass. Ein Land mit hohem Einkommen hat diese hohe Steuerlast, hat hohe Bürokratie und hat einen schwachen privaten Vermögensaufbau. Das ist für uns Anleger relevant.
Was Märkte wirklich einpreisen
Denn Märkte preisen nicht nur Gewinne ein, sondern auch Systeme. Ein System, das Arbeit stark belastet, Eigentum erschwert und Konsum immer stärker besteuert, produziert langfristig weniger Kapitalbildung.
Lärm und Signal
Was ist jetzt hier Lärm, was ist Signal? Lärm ist die ganze parteipolitische Debatte. SPD gegen Union, Union gegen SPD, alle zeigen aufeinander, das ist alles zweitrangig. Denn das Problem ist nicht eine einzelne Partei, das Problem ist die ganze Staatslogik. Wenn der Staat mit dem Budget nicht auskommt, wird eben nicht gefragt, wo die Ausgaben falsch sind, sondern man überlegt sich, wo man noch mehr holen kann. Das ist ein Problem, und das ist eigentlich Signal. Die Diskussion darum ist einfach der Lärm.
Der zweite Lärm ist der Vergleich der Mehrwertsteuer mit Europa. 19 Prozent sind im EU-Vergleich nicht wirklich hoch. In Österreich zum Beispiel gibt es 20 Prozent, das ist ein Prozent mehr als 19. Es ist aber der falsche Vergleich. Es geht um die Gesamtbelastung. Deutschland hat bereits eine der höchsten Abgabenlasten auf Arbeit. Wenn dann der Konsum noch stärker besteuert wird, bleibt aus der Bruttoarbeit noch weniger netto zum Leben.
Das eigentliche Signal für Deutschland
Was ist hier also Signal? Was ist für dich als Investor wichtig? Deutschland hat nicht wirklich ein Einnahmeproblem, es hat ein Kapitalbildungsproblem. Der Staat ist viel zu groß, der ganze Staatsapparat zu groß. Das ist immer ein Problem von eher linksgerichteter Politik, wo immer mehr in das ganze Staatsthema reingezogen wird.
Deutschland ist in der EU das Land, in dem Mieten stärker verbreitet ist als Eigentum. Das ist auch der Grund, warum das Medianvermögen so schlecht aussieht. Der deutsche Bürger arbeitet viel, zahlt aber noch viel mehr, mietet viel mehr und konsumiert dadurch immer noch ein bisschen weniger, weil ihm einfach das Kapital dafür fehlt. Das schädigt am Ende natürlich die deutsche Wirtschaft.
Was heißt das für uns Investoren
Bei mir ist es ganz einfach: Ich schaue auf Deutschland noch stärker durch die Brille von Standort und Fiskal. Ich will da noch weniger Exposure haben und picke mir lieber ein, zwei, drei gute Firmen raus, die ich nicht so sehr auf den deutschen Markt bezogen sehe, sondern wirklich eher im internationalen Vergleich. Das passt für mich sehr gut, und da gibt es auch noch ein paar andere gute europäische Firmen.
Pauschal jetzt einfach auf Deutschland oder auf Europa zu wetten, das ist für mich sehr, sehr, sehr fragwürdig. Da ist viel zu viel Bürokratie, viel zu wenig Innovation und viel zu wenig Unternehmerfreundlichkeit drin. Denn am Ende, wenn der Staat immer reicher wird und der Bürger nicht, dann ist es kein Steuerproblem, sondern ein Systemproblem.
Merksatz des Tages
Wenn der Staat immer reicher wird und der Bürger nicht, dann ist es kein Steuerproblem, sondern ein Systemproblem.
Investieren heißt auch: Systeme richtig einordnen
Die Diskussion um 22 Prozent Mehrwertsteuer ist nicht nur eine Steuerdebatte.
Sie ist ein Signal dafür, wie ein Land mit Kapital, Bürgern, Arbeit, Eigentum und Produktivität umgeht.
Wenn ein Staat auf Haushaltslöcher vor allem mit höheren Abgaben reagiert, verändert sich langfristig die Standortqualität. Dann geht es nicht mehr nur um einzelne Firmen oder einzelne Quartalszahlen. Dann geht es um die Frage, ob ein System Kapitalbildung fördert oder erschwert.
Für Investoren ist genau das entscheidend.
Ein Unternehmen kann stark sein, aber im falschen Umfeld kämpfen. Ein Land kann hohe Einkommen haben, aber schwachen Vermögensaufbau produzieren. Ein Markt kann günstig aussehen, aber strukturell unattraktiv bleiben.
Deshalb reicht es nicht, nur auf Bewertungen zu schauen.
Man muss verstehen, welches System dahintersteht.
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