Warum ChatGPT manchmal ziemlich dumm wirkt
Es ist 17:24 Uhr. Eigentlich möchtest du den Laptop schließen, doch eine E-Mail muss noch raus.
Du öffnest ChatGPT und schreibst:
Formuliere eine professionelle E-Mail an meinen Kunden.
Wenige Sekunden später steht der Text vor dir. Er ist grammatikalisch korrekt, höflich formuliert und trotzdem komplett unbrauchbar.
Die E-Mail beginnt mit einer übertrieben freundlichen Einleitung, bedankt sich für eine „stets vertrauensvolle Zusammenarbeit“ und enthält am Ende eine Zusage, die du nie machen wolltest. Du löschst den ersten Absatz, formulierst den Mittelteil neu und stellst irgendwann fest, dass du die E-Mail auch direkt selbst hättest schreiben können.
In solchen Momenten denken viele Menschen: ChatGPT wird massiv überschätzt.
Häufig liegt das Problem nicht an ChatGPT selbst, sondern daran, dass das System nur einen kleinen Teil der eigentlichen Aufgabe kennt.
In deinem Kopf ist die Situation klar. Du weißt, welcher Kunde die E-Mail bekommt, was vorher passiert ist, wie direkt du formulieren darfst und welche Reaktion du erreichen möchtest. ChatGPT sieht davon nichts. Es kennt nur deinen einen Satz.
„Formuliere eine professionelle E-Mail“ klingt für dich nach einer klaren Aufgabe. Für ChatGPT bleiben fast alle entscheidenden Fragen offen.
Welcher Kunde ist gemeint?
Was ist der Anlass?
Soll der Empfänger antworten, etwas bestätigen oder nur informiert werden?
Wie lang darf die E-Mail sein?
Welche Fakten müssen enthalten sein?
Welche Angaben darf ChatGPT auf keinen Fall ergänzen?
Fehlen diese Informationen, füllt ChatGPT die Lücken mit plausiblen Annahmen. Das Ergebnis klingt dann vielleicht professionell, passt aber kaum zu deiner tatsächlichen Situation.
Stell dir ChatGPT wie einen neuen Mitarbeiter vor
Angenommen, heute beginnt ein neuer Mitarbeiter bei dir. Du sagst ihm:
Schreib bitte eine E-Mail an unsere Kunden.
Ein guter Mitarbeiter würde sofort Rückfragen stellen. Er kennt das Unternehmen noch nicht, versteht die Beziehung zu den Kunden nicht und weiß nicht, welches Ziel du verfolgst.
ChatGPT befindet sich bei jedem neuen Thema in einer ähnlichen Situation. Es kann sehr schnell formulieren, strukturieren und verschiedene Varianten entwickeln. Den fehlenden Kontext kann es trotzdem nicht zuverlässig erraten.
Deshalb lohnt es sich, vor einer Aufgabe drei einfache Fragen zu beantworten:
- Was soll am Ende konkret entstehen?
- Für wen ist das Ergebnis gedacht?
- Welche Grenzen muss ChatGPT beachten?
Aus der ursprünglichen Anfrage könnte dadurch folgender Arbeitsauftrag werden:
Formuliere eine freundliche und professionelle E-Mail an einen bestehenden Kunden. Ein Termin am Donnerstag muss verschoben werden. Schlage Freitag um 10 Uhr und Montag um 15 Uhr als Alternativen vor. Nenne keinen Grund für die Verschiebung und erfinde keine weiteren Details. Die E-Mail soll maximal 100 Wörter lang sein und mit einer Bitte um kurze Terminbestätigung enden.
ChatGPT weiß jetzt, worum es geht. Der Empfänger ist definiert, das Ziel ist klar und die wichtigsten Grenzen stehen fest.
Das Ergebnis wird dadurch nicht automatisch perfekt. Es beginnt jedoch auf einem deutlich höheren Niveau.
Die erste Antwort ist häufig nur der Entwurf
Viele Nutzer machen nach der ersten Antwort einen zweiten Fehler. Sie übernehmen den Text oder starten einen komplett neuen Chat.
Beides ist unnötig.
ChatGPT ist ein Gespräch. Wenn der Inhalt stimmt, aber der Ton noch nicht passt, musst du die gesamte Aufgabe nicht erneut erklären. Du kannst gezielt korrigieren:
Der Inhalt passt. Kürze die Einleitung und beginne direkt mit der Terminverschiebung. Formuliere natürlicher und entferne allgemeine Höflichkeitsfloskeln.
Vielleicht möchtest du verschiedene Versionen vergleichen:
Erstelle drei Varianten mit denselben Fakten. Eine kurz und direkt, eine freundlich und persönlich, eine sachlich und formell.
Jetzt wird ChatGPT wirklich nützlich. Du wartest nicht darauf, dass das System beim ersten Versuch deine Gedanken errät. Du gibst eine Richtung vor, prüfst den Entwurf und verbesserst einzelne Punkte.
Das ist kein kompliziertes Prompt Engineering. Es ist normale, klare Kommunikation.
Der Unterschied liegt nicht in geheimen Prompts
Von außen sieht es manchmal so aus, als bräuchte man eine geheime Sammlung perfekter Prompts. In der Praxis macht meist etwas anderes den Unterschied: eine klarere Arbeitsweise.
Wer ChatGPT regelmäßig nutzt, weiß vorher, welches Ergebnis gebraucht wird. Sie liefern den relevanten Kontext und geben ein konkretes Format vor. Die erste Antwort betrachten sie als Arbeitsgrundlage, nicht als fertiges Endergebnis.
Mit der Zeit speichern sie die Abläufe, die funktionieren.
Aus der heutigen Kunden-E-Mail entsteht eine Vorlage für zukünftige Terminverschiebungen. Die beste Nachfrage wird direkt mitgespeichert. Beim nächsten Mal müssen nur noch der Empfänger und die neuen Termine eingesetzt werden.
Du beginnst nicht wieder bei null.
Das ist der Punkt, an dem ChatGPT aufhört, ein interessantes Spielzeug zu sein. Es wird zu einem Werkzeug, das dir bei wiederkehrenden Aufgaben tatsächlich Arbeit abnimmt.
Der kostenlose ChatGPT Durchbruch
Im kostenlosen Guide „Der ChatGPT Durchbruch“ lernst du, wie du aus kurzen Fragen klare Arbeitsaufträge entwickelst und mittelmäßige Antworten gezielt verbesserst.
Du bekommst eine einfache Struktur für klare Arbeitsaufträge, konkrete Beispiele, fünf direkt nutzbare Quick Wins und einen kompakten Spickzettel für deine nächsten Aufgaben.
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