Q4 2026: Warum ich den einfachen Börsenprognosen misstraue
Trump, der Anleihemarkt und die nächste Bewährungsprobe für KI könnten das vierte Quartal in völlig unterschiedliche Richtungen treiben. Wer seine Positionierung auf eine einzige dieser Kräfte stützt, macht es sich aus meiner Sicht gefährlich einfach.
Q4 wird meiner Ansicht nach deshalb so schwierig, weil drei große Faktoren gleichzeitig aufeinanderprallen: die Geopolitik rund um Trump, das makroökonomische Umfeld mit Fed und Anleihen sowie die Unternehmenszahlen und die Erwartungen an künstliche Intelligenz.
Je nachdem, welcher dieser Faktoren die Oberhand gewinnt, kann daraus ein ausgesprochen starkes Börsenquartal entstehen, ein deutlicher Rückschlag oder ein seitwärts laufender Markt mit erheblichen Unterschieden zwischen einzelnen Aktien.
Für mich macht genau das die Positionierung spannend. Im Family Office und im Inner Circle beschäftigen wir uns damit, wie diese Kräfte zusammenwirken und welche Unternehmen unter diesen Bedingungen attraktiv sein könnten.
Eine überzeugende Meinung zu Trump, zur Fed oder zu KI ersetzt noch keine durchdachte Investmententscheidung.
Meine Einschätzung im Video
1. Geopolitik: Wo könnte Trump für Rückenwind sorgen?
Den geopolitischen Teil fasse ich im Video unter „Trump versus alles“ zusammen. In meine Betrachtung fließen Iran, Grönland, die Ukraine und Handelskonflikte genauso ein wie die Midterms, die am 3. November 2026 stattfinden.
Meine Arbeitsthese ist, dass Trump vor diesen Wahlen versuchen dürfte, das Umfeld für Wirtschaft und Märkte möglichst positiv zu gestalten. Ich gehe für meine Marktbetrachtung davon aus, dass ihm ein positives wirtschaftliches Umfeld und steigende Märkte entgegenkommen würden.
Daraus ergibt sich für mich eine konkrete Aufgabe: Ich möchte verstehen, welche Unternehmen von dieser politischen Richtung profitieren könnten und wo politische Entscheidungen das Geschäftsmodell eher belasten würden.
Mit der pauschalen Aussage, Trump werde schon für steigende Kurse sorgen, wäre mir allerdings wenig geholfen. Selbst wenn meine Einschätzung zu seinen Absichten zutrifft, müssen sich daraus erst einmal bessere wirtschaftliche Bedingungen für die Unternehmen ergeben, die ich tatsächlich im Portfolio halte.
Ich möchte politischen Rückenwind für meine Investments nutzen, ohne meine gesamte Positionierung davon abhängig zu machen.
An dieser Stelle kommt der zweite Faktor ins Spiel, denn der Anleihemarkt kann eine ganz andere Richtung vorgeben als die politische Stimmung.
2. Makro: Die Fed ist nur ein Teil der Rechnung
Beim makroökonomischen Umfeld schaue ich auf Inflation, die Fed und die Anleihenmärkte. Dabei interessiert mich ausdrücklich auch, wie groß der Appetit der Investoren auf Anleihen ist und welche Rendite sie verlangen, um ihr Kapital dort zu investieren.
Wer ausschließlich auf die nächste Fed-Entscheidung wartet, lässt einen wesentlichen Teil dieser Preisbildung aus. Angebot und Nachfrage beeinflussen die Kurse am Anleihemarkt, wobei sinkende Kurse bei ansonsten gleichen Zahlungsströmen mit steigenden Renditen einhergehen.
Für meine Betrachtung gehört deshalb alles zusammen: Wie entwickeln sich Inflation und Ölpreis, welche Reaktion ist von der Fed zu erwarten und zu welchen Konditionen finden Anleihen genügend Käufer?
Höhere Zinsen verändern, was zukünftiger Cashflow heute wert ist
Die Verbindung zu Aktien läuft unter anderem über die Bewertung zukünftiger Cashflows. Bei einer solchen Berechnung werden die erwarteten künftigen Zahlungsüberschüsse eines Unternehmens auf ihren heutigen Wert zurückgerechnet. Steigt der dafür verwendete Diskontierungszinssatz, fällt dieser Wert bei unveränderten Cashflow-Annahmen niedriger aus.
Das bedeutet: Ein Unternehmen kann operativ weiterhin ordentlich arbeiten, während Investoren trotzdem weniger für seine Aktie bezahlen wollen. Die Erwartungen an das Geschäft müssen dafür keineswegs vollständig zusammenbrechen, denn bereits eine veränderte Bewertungsgrundlage kann erheblichen Druck erzeugen.
Aus meiner Sicht ist das ein wichtiger Grund, weshalb man sich bei höheren Zinsen genauer anschauen muss, wo heute bereits Geld verdient wird und wo die Bewertung vor allem auf weit entfernten Erwartungen beruht.
Nasdaq und S&P 500 auf Rekordständen, während viele Aktien deutlich schwächer sind
Wir haben diesen Kontrast bereits in Q3 gesehen. Nasdaq und S&P 500 erreichten im Verlauf des Quartals neue Höchststände, während ein erheblicher Teil der einzelnen Aktien deutlich unter den jeweiligen Hochs lag. Die starken Indexstände verdeckten damit, wie unterschiedlich sich die Unternehmen darunter entwickelten.
Deshalb reicht es mir bei der Auswahl einzelner Aktien nicht, auf einen steigenden Index zu zeigen und daraus abzuleiten, dass der Markt insgesamt gesund sei.
Ein Index auf Rekordniveau sagt dir noch lange nicht, ob die Unternehmen in deinem eigenen Portfolio gut aufgestellt sind.
Für meine Positionierung interessiert mich deshalb sehr konkret, welche Firmen starken Cashflow erwirtschaften, welche höhere Kosten an ihre Kunden weitergeben können und welche möglicherweise sogar von diesem Umfeld profitieren.
Beim ersten Faktor suche ich nach politischem Rückenwind. Beim zweiten möchte ich Unternehmen finden, deren wirtschaftliche Substanz auch dann überzeugt, wenn Inflation und Zinsen die Bewertung unter Druck setzen.
3. Earnings und KI: Zwischen einer großen Geschichte und einem guten Investment liegt die Bewertung
Der dritte Faktor betrifft die Unternehmen selbst. Ab Mitte Oktober rückt die nächste große Welle der Quartalszahlen in den Mittelpunkt, mit der die Erwartungen an Umsatz, Gewinne und die weitere Geschäftsentwicklung erneut überprüft werden.
Besonders spannend wird für mich dabei die Frage, wie solide die wirtschaftliche Entwicklung rund um künstliche Intelligenz tatsächlich ist. Wir haben auf der einen Seite die Bubble-Diskussion und auf der anderen Seite die Überzeugung, dass das zukünftige Potenzial praktisch jede Bewertung rechtfertigen könne.
Für meine Investmententscheidungen möchte ich genauer unterscheiden. Mich interessiert, welche Unternehmen tatsächlich profitieren, wie viel davon bereits im Kurs steckt und an welcher Stelle innerhalb des KI-Bereichs sich die Erwartungen gerade verändern.
„KI ist bullish“ ist mir als Investmentthese viel zu oberflächlich, wenn daraus eine konkrete Position im Portfolio werden soll.
Warum Meta, Microsoft und die Umschichtung zwischen Software und Chips relevant sind
Diese Unterschiede haben uns bereits in Q3 beschäftigt. Meta lag dabei rund 40 Prozent im Plus, Microsoft entwickelte sich ebenfalls sehr stark, und im August haben wir bewusst zwischen Software und Chipaktien umgeschichtet.
Das war aus meiner Sicht ein sehr guter Trade, weil wir uns mit den Unterschieden innerhalb dieses Bereichs beschäftigt haben, statt sämtliche Unternehmen unter derselben KI-These zusammenzufassen.
Mich interessiert dieses Wechselspiel besonders: In einer Phase richtet sich die Aufmerksamkeit auf Chipaktien, während Softwareaktien zurückbleiben. In einer anderen Phase verändert sich die Einschätzung, und plötzlich werden andere Geschäftsmodelle attraktiver.
Für Q4 möchte ich deshalb verstehen, wo die kommenden Unternehmenszahlen bestehende Erwartungen bestätigen könnten und wo sich die wirtschaftliche Entwicklung anders darstellt, als es die Kurse bislang nahelegen.
Anthropic könnte die Frage nach der Kapitalverteilung verschärfen
Dazu kommt der mögliche Börsengang von Anthropic. Berichten zufolge strebt Anthropic einen Börsengang noch vor Thanksgiving an, wobei dieser Zeitplan weiterhin unter Vorbehalt steht.
Für mich ist daran besonders interessant, wie viel Kapital ein solcher Börsengang anziehen könnte und aus welchen bestehenden Investments dieses Geld gegebenenfalls abgezogen würde.
Wer sich für Anthropic begeistert, muss schließlich entscheiden, woher das Kapital für eine Beteiligung kommen soll. Für meine Positionierung stellt sich deshalb die Frage, welche bereits börsennotierten Unternehmen von dieser Aufmerksamkeit profitieren könnten und welche möglicherweise mit einer neuen Konkurrenz um Investorengelder konfrontiert wären.
Das ist eine weitere Ebene der KI-Diskussion, die sich mit einem einfachen Urteil über eine vermeintliche Blase kaum erfassen lässt.
Für dein Portfolio zählt das Zusammenspiel dieser drei Kräfte
Die Schwierigkeit von Q4 liegt für mich darin, dass diese Faktoren gleichzeitig wirken und sich gegenseitig beeinflussen. Eine plausible Einschätzung zur politischen Entwicklung kann durch den Anleihemarkt überlagert werden, während überzeugende Unternehmenszahlen wiederum neue Bewegungen innerhalb einzelner Branchen auslösen können.
Deshalb möchte ich vor einer Positionierung durchdenken, welche Annahmen hinter einer Investmentidee stehen und wie sich diese verändern, wenn einer der drei Faktoren eine andere Richtung einschlägt.
Du kannst mit deiner großen Marktthese recht haben und trotzdem die falschen Unternehmen zum falschen Preis besitzen.
Natürlich wird es auch dieses Quartal wieder sehr überzeugende Prognosen geben. Ende Q4 werden dann genügend Leute erklären, warum die tatsächliche Entwicklung völlig offensichtlich gewesen sei und weshalb sie das schon immer gewusst hätten.
Für mein Portfolio hilft mir diese rückblickende Gewissheit wenig. Mich beschäftigt heute, wie politische Entwicklungen, Anleiherenditen und Unternehmenszahlen aufeinander einwirken könnten und welche Positionierung sich daraus nachvollziehbar ableiten lässt.
Daran arbeiten wir im Family Office und im Inner Circle: an konkreten Investmentideen, deren Chancen und Risiken wir im Zusammenhang mit diesen drei Kräften beurteilen können.
3 Investment-Ideen für einen Markt, in dem Qualität wieder zählt
Wenn Politik, Zinsen und KI-Erwartungen gleichzeitig auf die Märkte wirken, möchte ich bei einzelnen Unternehmen umso genauer hinsehen. Gerade in so einem Markt wird es teuer, wenn du aus Angst verkaufst, nach der nächsten Rally aus FOMO hinterherspringst oder eine gute Story automatisch für ein gutes Investment hältst.
Deshalb habe ich im kostenlosen PDF „3 Investment-Ideen für einen Markt, in dem Qualität wieder zählt“ drei konkrete Unternehmen aus unterschiedlichen Bereichen für dich eingeordnet.
Du bekommst einen Einblick in die jeweilige Investmentlogik und die Kriterien, mit denen ich Qualität, finanzielle Substanz, Bewertung und Risiko betrachte. So kannst du an konkreten Beispielen nachvollziehen, worauf es bei der Auswahl ankommt und warum ein interessantes Unternehmen zum jeweiligen Preis noch lange kein attraktives Investment sein muss.
Bevor du deine nächste Investmententscheidung von einer Schlagzeile abhängig machst, schau dir an, welche Überlegungen hinter diesen drei Ideen stehen.
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Ich bewerte Investments und Finanzprodukte unabhängig und mit meinem eigenen Geld im Spiel. Dahinter stehen viele Jahre praktische Investmenterfahrung und meine Arbeit als CIO in mein eigenes Family Office mit rund 100 Millionen US-Dollar Vermögen.
