Neue All-Time-Highs, Aschenbrenners Absturz und wie ich ein Portfolio strukturiere
Leute, willkommen. Ich habe diese Woche mal wieder ein längeres Video aufgenommen, ein bisschen Wochenrückblick. Hier im Blog bekommst du die Essenz aus vier Themen, das ganze Video mit allen Details und den genauen Trading-Ideen schaust du dir am besten direkt an:
Es geht um die neuen Rekordstände an den Märkten mitten in der Earnings Season, um den implodierten Situational-Awareness-Fund von Leopold Aschenbrenner, um einen der interessantesten Krypto-Hacks seit Langem mit Coldcard und zum Schluss um Zinseszins und Portfoliostrukturierung. Starten wir direkt rein mit den 4 Hauptthemen:
1. Die Märkte: neue All-Time-Highs und eine starke Earnings Season
Woher die neuen Rekorde kommen
Wir stehen auf neuen All-Time-Highs, der S&P bei rund 7.700. Nach dem Tief Anfang Q2 und den Herausforderungen im Juli kommt jetzt mit der Q2-Earnings-Season wieder der Push nach oben, knapp 30 neue All-Time-Highs, es wird ein ziemliches Rekordjahr.
Das Ganze ist sehr techgetrieben. Die Nasdaq war auf die Woche knapp 5 Prozent im Plus, der S&P 4 Prozent, der Dow rund 4 Prozent. Verlierer waren die risikoärmeren Bereiche, allen voran Energy. Der Grund ist einfach. Viele hoffen auf einen Deal mit dem Iran, der Iran spricht von einem Deal mit dem Oman, was die Vorstufe wäre, die Straße von Hormuz wieder zu öffnen. Dementsprechend stand Öl unter Druck, runter Richtung 85 Dollar, nachdem das Barrel Ende Juli fast wieder über 100 Dollar stand. Edelmetalle zeigen dafür eine kleine Renaissance.
Die Gewinner und Verlierer der Earnings
Visa und Mastercard waren super stark. Am Mittwoch waren Microsoft und Meta das große Thema. Ich bin in die Woche gegangen und habe Apple verkauft, perfektes Timing, denn Apple war eine der wenigen großen Aktien tiefrot. Unsere KI-Systeme hatten klar angeschlagen, dass Apple zu teuer ist. Gleichzeitig long Microsoft, Amazon und Meta. Amazon 16 Prozent rauf, Microsoft 10 Prozent rauf, Meta zunächst schwer, dann übers Wochenende ebenfalls stark.
Die Krypto-Gruppe mit Coinbase, Strategy und Robinhood hat wie erwartet abverkauft, denn Q2 war kryptomäßig eines der schwächsten Quartale. Die Energy-Firmen Shell, Chevron und Exxon hatten fantastische Earnings, drehten aber wegen des fallenden Ölpreises kurzfristig ins Rote.
Diese Woche: Palantir, Eli Lilly und die Chips
Palantir war für mich die absolute Überraschung mit fast 30 Prozent an einem Tag, nach einem der schwächsten Jahre zuvor. AMD hat nach starker Vorwoche abverkauft, Novo Nordisk läuft weiter im Abverkauf, dafür Eli Lilly stark. Ich habe es auch gepostet, die Leute lieben Drogen, Alkohol, Essen, Glücksspiel und Zigaretten, und genau aus diesem Grund mag ich Eli Lilly. Es geht um Nachfrage, die sich aus menschlichem Verhalten speist. SAP und Siemens waren sehr stark, und die Chips-Aktien wie Nvidia, Broadcom und Taiwan Semiconductor zeigten sich auf die Woche wieder grün.
Was Michael Burry gerade macht
Spannend war auch Michael Burry. Microsoft long und Oracle short waren gute Trades, Palantir short hat mit dem 30-Prozent-Pump wehgetan, Nvidia short ebenso, und seine Nasdaq-Shorts laufen bei neuen All-Time-Highs gegen ihn. Die genauen Trading-Ideen und wie unsere KI-Systeme das im Vorfeld eingeordnet haben, gehe ich im Video durch.
2. Situational Awareness: der Absturz von Leopold Aschenbrenner
Was passiert ist
Der Situational-Awareness-Fund von Leopold Aschenbrenner hat extreme, stark gehebelte Wetten aufgebaut, die sich im Juli brutal gedreht haben. Letzte Woche ist das Ganze ziemlich implodiert, und Ken Griffin von Citadel hat das gesamte Portfolio wie ein Hai in einem einzigen Block gekauft.
Die eigentliche Lehre: Ladies, Liquor und Leverage
Hier steckt die eigentliche Lehre drin. Charlie Munger sagt, es gibt drei Wege, wie kluge Männer zu Bruch gehen, Ladies, Liquor und Leverage. Aschenbrenner hatte angeblich einen vier- bis fünffachen Hebel. Das bedeutet, bei einer 20-Prozent-Bewegung ist alles ausgelöscht, und genau das hat ihn gezwungen, zum schlechtesten Zeitpunkt zu verkaufen.
Influencer gegen guter Investor
Für mich zeigt das etwas Grundsätzliches. Influencer zu sein und ein guter Investor zu sein, spießt sich extrem. Als Influencer musst du Sachen sagen, die populär sind, als guter Investor Sachen machen, die unpopulär sind. Bestes Beispiel ist Krypto. Auf die letzten eineinhalb Jahre war es eines der schlechtesten Investments, und jeder, der short war wie ich, hat richtig gut Geld gemacht. Populär ist das überhaupt nicht, weil die meisten Leute drinsitzen. Die virale Karikatur dazu ist Cathie Wood mit ARK, für mich einer der Paradefälle, wie man mit einem ETF richtig Kapital zerstören kann. Ein guter Investor entscheidet nicht dogmatisch, sondern pragmatisch und rational.
3. Krypto und der Coldcard-Hack
Warum Bitcoin trotz grüner Vorzeichen schwächelt
Beim Krypto ist irgendwo der Wurm drin. Schau dir Bitcoin gegen die Nasdaq über die letzten eineinhalb Jahre an. Ich habe Anfang Januar 2025 verkauft, Krypto steht seitdem rund 55 Prozent gegen die Nasdaq im Minus. Das Dramatische daran ist, dass alle Vorzeichen auf Grün standen, ein krypto-freundlicher Präsident, eine positive Fed, eine positive SEC, dazu Michael Saylor, der gekauft hat wie ein Wilder, und eine wahnsinnsstarke Liquidität. Trotzdem tut sich Bitcoin brutal schwer, während Aktien profitiert haben. Für mich braucht es einen neuen Use Case und ein neues Narrativ, damit sich das dreht.
Der Coldcard-Hack einfach erklärt
Coldcard ist eine Hardware-Wallet wie Ledger, BitBox oder Trezor. Am Ende wurde ein schwacher Zufallszahlengenerator verwendet, der zurückgerechnet werden konnte. Über 100 Millionen Dollar wurden gestohlen, und auf Social Media hieß es sofort, Bitcoin sei gehackt worden. Der Spieltheoretiker Christian Rieck wurde dann extrem dafür attackiert, dass er sagte, Bitcoin sei nicht angegriffen worden, es sei ein spezifisches Problem eines Wallet-Anbieters.
Warum Bitcoin nicht unangreifbar ist
Grundsätzlich stimmt das. Wenn wir aber ehrlich überlegen, was Bitcoin ist, dann ist es nichts anderes als Kryptographie plus ein bisschen Code. Die Behauptung, Bitcoin sei unangreifbar, stimmt eben nicht. Schon 2010 gab es einen Integer Overflow, der über ein Update gefixt werden musste, und über die Jahre immer wieder Probleme. Umso besser KI und Quantencomputer werden, desto eher wird das zum echten Thema. Das ploppt gerade auch wieder auf Social Media hoch, wo ein Jim Cramer darüber redet und sogar ein Tom Lee, der sonst der ewige Bitcoin-Bulle ist, wobei Tom Lee selbst stark mit dem Krypto-Thema verbandelt ist.
Meine Position
Ich habe zurzeit keine Pferde in diesem Rennen, denn ich investiere aktuell gar nicht in Krypto. Ich war immer wieder short, aber ich bin nicht long. Die Probleme gerade mit den Satoshi-Coins sehe ich immer größer werden, und Lösungen sehe ich noch keine. Kurzfristig hängt viel davon ab, was Michael Saylor noch machen kann, der den ganzen Juli praktisch nicht gekauft hat. Der Bitcoin-Preis steckt in den unteren 60ern, und die spannende Frage ist, was mit ihm passiert, wenn Aktien mal 20 bis 30 Prozent runtergehen.
4. Zinseszins und wie ich ein Portfolio strukturiere
Der Mythos-Zinseszins-Artikel und das DZ-Bank-Beispiel
Es gab eine Kolumne von Mark Schieritz mit dem Tenor, der Zinseszins sei ein Mythos. Für mich ist das zum Schämen, denn eines der wichtigsten Dinge überhaupt ist genau dieser Zinseszins und das langfristige Investieren. In einer Gesellschaft, die dem Kapitalismus und dem langfristigen Denken immer skeptischer gegenübersteht, wird das leider immer schwerer zu vermitteln.
Das eigentliche Problem sind oft die Empfehlungen selbst. Nimm eine Übersicht der DZ Bank von Anfang des Jahres, welche Unternehmen man kaufen sollte. Gleichmäßig verteilt investiert wäre die Deutsche Post 22 Prozent im Plus, Alphabet 18 Prozent, dann geht es los, Rheinmetall minus 28 Prozent, BMW minus 38 Prozent. Am Ende stehst du bei ungefähr minus 1 Prozent, und das von einem renommierten Herausgeber. Genau solche Headlines führen dazu, dass Leute lieber Lotterie-Tickets mit Bitcoin und Co. kaufen.
Wie ich ein Portfolio aufbaue
Ich würde nie nur in Fiat denken, sondern das gesamte Portfolio als Ganzes sehen. Fiat ist ein schmelzender Eiswürfel, die Inflation frisst es auf. Das heißt aber nicht, dass Fiat schlecht ist, es hat einen ganz klaren Nutzen, es ist die Recheneinheit für eine ganze Währungsunion. Wert ist am Ende Nutzen mal Reichweite mal Seltenheit. Etwas ohne klaren Nutzen hat keinen Wert, und wenn der Preis der einzige Nutzen ist, dann ist es reine Spekulation.
Deshalb würde ich mit deinem Fiat-Polster starten. Ist dein Sicherheitspolster ein Monat, drei Monate, sechs Monate oder mehrere Jahre? Den Rest verteilst du auf Aktien, Anleihen, Edelmetalle, Rohstoffe oder Immobilien. Die komplette Schritt-für-Schritt-Version inklusive der Formeln zeige ich im ausführlichen Inner-Circle-Video.
Der größte Fehler und wie du ihn vermeidest
Der große Fehler ist, dass die meisten Leute ständig zwischen komplett unterschiedlichen Anlageklassen hin und her springen, von Fiat in Einzelaktien und zurück. Mein Tipp ist, dass du dir überlegst, welche Aktien und ETFs sogar raufgehen, wenn der Rest runtergeht. Ein S&P 500 als Index kann fallen, während einzelne Sektoren gegenläufig steigen. Deshalb wanderst du gedanklich von etwas sehr Breitem wie dem MSCI World runter in einen Länder-ETF, in einen Sektor-ETF und schließlich in eine Einzelaktie. Bei mir im Family Office sind das ungefähr 16 Einzelaktien und zwischen 5 und 10 ETFs, mit denen wir gezielt Risiko rein- und rausnehmen.
Wo ich zurzeit die Chancen sehe
Ich sehe aktuell drei Bereiche, in denen man etwas aggressiver nachkaufen könnte.
- Chips, KI und Semis. Im Q2 teils extrem gut gelaufen, dann schwer, auch wegen Situational Awareness. Da tun sich Nachkauf-Chancen auf, die man aber gut analysieren muss.
- Robotics. Ein Riesenthema, in das zurzeit extrem viel Kapital fließt. Wir haben dazu auch einen eigenen Research Report gemacht.
- Der Pharma- und Medizinbereich. Nicht ganz so einfach, weil hier viele Übernahmekandidaten dabei sind. Wir hatten dieses Jahr schon einen guten Treffer mit Atai, das von Eli Lilly übernommen wird.
Der rote Faden bleibt für mich, dass unpopuläre Entscheidungen oft die besten Chancen sind. Genau die muss man als Investor treffen können.
Bevor du gehst: 3 Investment Ideen für einen Markt, in dem Qualität wieder zählt
Neue All-Time-Highs klingen gut, machen viele Anleger aber nervös. Aus Angst zu früh verkaufen, aus FOMO zu spät aufspringen oder auf Unternehmen setzen, die gut klingen, aber keine Substanz haben. Das sind in solchen Phasen die teuersten Fehler.
Deshalb habe ich ein kostenloses PDF für dich erstellt: 3 konkrete Unternehmen aus unterschiedlichen Bereichen, sauber eingeordnet statt endloser Watchlist. Eine Firma aus der KI-Wertschöpfung, ein Finanzhaus mit echter Substanz und eine ungewöhnliche Wette mit Kapitalstärke. Dazu bekommst du klare Filter, mit denen du Qualität, Bewertung und Marktlärm besser trennst.
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