Fed hält Zinsen stabil: Warum Kevin Walshs erster Auftritt trotzdem eine Zeitwende ist
Datum: 18. Juni 2026
Die Fed hat gestern unter dem neuen Chef Kevin Walsh die Zinsen unverändert gelassen. Das war erwartet. Auch der Dotplot, also die Vorhersage, wohin die Zinsen gehen könnten, war ziemlich erwartet.
9 von 18 Mitgliedern erwarten jetzt zwar eine Zinserhöhung noch dieses Jahr. Das ist deutlich mehr als zuvor. Im März war das Ganze noch eher auf gleichbleibende Zinsen oder sogar eine Senkung ausgerichtet.
Wenn aber so viel erwartet war, warum ist die Börse dann runter? Der S&P 500 fiel 1,2 Prozent, die Nasdaq sogar 1,3 Prozent.
In den nächsten Minuten verstehst du, warum Walshs erster Auftritt eine Zeitwende für die Märkte ist und was das konkret für unsere Depots bedeutet.
Leute, einen wunderschönen Donnerstagmorgen. Es ist der 18. Juni. Herzlich willkommen beim Snippet, deinem täglichen kurzen Insight in die Finanzwelt.
Die Fakten zum Fed Meeting
Starten wir in das Zinsthema hinein.
Als Erstes wie immer die Fakten: Die Fed hielt den Leitzins bei 3,5 Prozent. Das war einstimmig und das muss man auch dazu sagen: Es war schon lange nicht mehr einstimmig. Die Entscheidung fiel 12 zu 0.
Es war der vierte Hold in Folge nach Januar, März und April.
Der Dotplot, also die Projektion der Mitglieder, ist nach oben gegangen. 9 von 18 Mitgliedern erwarten jetzt einen Hike. Das Median ist dadurch auf 3,8 Prozent gestiegen. Im März lag das Ganze noch bei 3,4 Prozent.
Man muss aber dazu sagen: Dass es hier nach oben geht, war ebenfalls erwartet worden.
Die PCE Inflationsprojektion wurde auch angehoben, auf 3,6 Prozent. Im März lag sie noch bei 2,7 Prozent. Das ist ziemlich stark nach oben gegangen. Der Grund liegt am Ölpreis, den wir schon öfter in den Snippets besprochen haben.
Der eigentliche Knaller war nicht der Zinsentscheid
Die weiteren Fakten sind noch spannender.
Walsh hat sein Debüt genutzt, um die Fed radikal umzubauen. Und das war der absolute Knaller in dem Ganzen.
Das Statement wurde von über drei Seiten auf nur 130 Wörter gekürzt. Die Forward Guidance wurde komplett gestrichen. Walsh gab nicht einmal eine eigene Dotplot Projektion mehr ab.
Außerdem hat er fünf Taskforces angekündigt, die Kommunikation, Bilanz, Inflation und Arbeitsmarkt überprüfen sollen.
Das war der eigentliche Grund für die negative Marktreaktion.
Was ist Lärm?
Signal und Lärm werden hier von den Medien extrem falsch dargestellt.
Lärm sind die Schlagzeilen, dass die Zinsen unverändert bleiben. Das hatten sowieso alle eingepreist.
Lärm ist auch, dass der Dotplot nach oben geht. Auch das war komplett eingepreist.
Lärm ist, dass Powell noch da ist oder dass es irgendwie um Personalpolitik geht.
Lärm ist auch das Wortspiel von Kevin Walsh, dass es zwei links und die Null rechts vom Komma geben soll, also ein klarer Inflationsfokus.
All das lenkt vom eigentlichen Signal ab.
Was ist Signal?
Das Signal ist einzig und allein: Unter Walsh gibt es nach vorne hin diese Guidance nicht mehr.
Er will diese Guidance wegbekommen.
Das bedeutet für uns Investoren mehr Ungewissheit, mehr Unsicherheit und ein schwierigeres Umfeld für die Portfolio Steuerung.
Du weißt nicht mehr so klar, wohin die Reise geht.
Das ist das absolut Entscheidende.
Für dieses Fed Meeting wussten wir relativ gut, was passieren würde. Für die nächsten Meetings könnte das deutlich volatiler werden.
Zurzeit rechnet der Markt mit einer 60 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Oktober. Das kann sich aber ohne Weiteres ändern. Es kann auch gut sein, dass wir im Juli Meeting gar nicht wirklich das Update bekommen, das viele erwarten.
Warum das Spielfeld jetzt anders aussieht
Wenn die Forward Guidance wegfällt, verändert sich das Spielfeld für alle Anlageklassen.
Es geht nicht nur darum, ob die Fed heute erhöht, senkt oder hält. Es geht darum, wie viel Orientierung der Markt bekommt.
Wenn diese Orientierung wegfällt, muss jeder Investor mehr Unsicherheit einpreisen.
Das bedeutet: mehr Volatilität, mehr plötzliche Bewegungen und weniger klare Pfade.
Für ein Portfolio heißt das, dass man nicht einfach blind auf alte Muster setzen sollte.
Was heißt das für unsere Portfolios?
Wenn die Forward Guidance weggeht, muss man mehr Ungewissheit ins Portfolio einbauen.
Das heißt für mich eher mehr Risk off. Man muss schauen, dass man starke Cashflow Assets im Portfolio hat. Dinge, die sehr Risk on sind, kann man vielleicht ein bisschen reduzieren.
Man hat es gestern gesehen: Am stärksten abverkauft haben Krypto, Tech und die ganzen Bereiche, die davor stark gepumpt sind.
Fairerweise sind die Futures jetzt mit dem Iran Deal wieder rauf. Aber interessant ist, dass Krypto unten hängen bleibt. Krypto ist in diesem Umfeld sehr zinsgefährdet.
Disziplin wird wichtiger
Bei mir im Family Office und bei uns im Inner Circle bleiben wir diszipliniert.
Man muss aufpassen, wenn man jetzt langfristige Zinssachen ins Portfolio nimmt. Diese könnten unter Druck geraten. Alles, was schlecht auf höhere Zinsen reagiert, könnte ebenfalls unter Druck bleiben.
Mehr Volatilität und weniger Guidance sind aber nicht nur ein Risiko. Sie sind auch eine riesengroße Chance für asymmetrische Setups.
Und genau das kann man als guter Investor nutzen.
Die neue Fed unter Walsh
Walshs erster Auftritt war nicht wegen des Zinsentscheids wichtig.
Er war wichtig, weil er gezeigt hat, dass sich die Kommunikationslogik der Fed verändern könnte.
Weniger Guidance bedeutet weniger Planbarkeit. Weniger Planbarkeit bedeutet mehr Verantwortung für Investoren. Und mehr Verantwortung bedeutet, dass Disziplin wichtiger wird als vorher.
Du kannst dich nicht mehr darauf verlassen, dass die Fed dir monatelang den Pfad erklärt.
Du musst dein Portfolio so aufstellen, dass es auch mit Unsicherheit umgehen kann.
Merksatz des Tages
Wenn die Notenbank selbst nicht mehr sagt, wohin die Reise geht, ist deine eigene Disziplin noch viel wichtiger.
Bleib bei solchen Markt- und Standortthemen auf dem Laufenden
Genau solche Abstimmungen zeigen, warum Politik für Anleger relevant ist.
Auf den ersten Blick geht es um Bevölkerung, Migration und Schweizer Innenpolitik. Auf den zweiten Blick geht es aber um deutlich mehr: Standortqualität, politische Kultur, Kapitalattraktivität, Schweizer Franken, Vermögensstruktur und die Frage, wie stabil ein Land langfristig wirklich bleibt.
Solche Themen bewegen sich langsam. Aber wenn sich die Richtung verändert, kann das für Anleger, Unternehmer und Vermögensaufbau sehr relevant werden.
Heute ist es die Schweiz. Morgen ist es die Fed, der Iran Deal, SpaceX, KI, Inflation, Bitcoin oder die nächste politische Entscheidung, die Märkte und Portfolios beeinflusst.
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