Die wahren Gründe für den Öl-Schock
Datum: 12. März 2026
Leute, einen wunderschönen Donnerstagmorgen! Es ist der 12. März. Ich habe mich in meinem Family Office in den letzten Tagen intensiv mit dem Ölpreis beschäftigt, um Trading-Ideen und relevante Zeiträume zu strukturieren.
Im heutigen Snippet möchte ich für euch ein bisschen den "Erklärbär" spielen. Wir schauen uns die fundamentalen Grundlagen an, damit ihr versteht, was zurzeit eigentlich das riesengroße Problem auf dem Ölmarkt ist.
Die Grundlagen: 100 Millionen Barrel pro Tag
Um die aktuelle Situation zu verstehen, müssen wir uns ansehen, wie der weltweite Ölverbrauch (ca. 100 Millionen Barrel pro Tag) strukturiert ist:
- 60 % Transport: Davon entfallen 25 % auf Autos (das merkt ihr an der Tankstelle), 15 % auf LKWs, ca. 8 Millionen Barrel auf Flugzeuge (was man gerade extrem am Preis für Flugzeugkerosin in Singapur sieht) und der Rest auf die Schifffahrt.
- 20 % Petrochemie: Das sind ca. 20 Millionen Barrel für Plastik und Chemie.
- 20 % Restliche Industrie & Energie: 10 % Industrie, 5 % Heizen, 5 % Stromproduktion.
Normalerweise ist dieses System exakt ausbalanciert. Schon eine Abweichung von nur 2-3 % in der Produktion kann sofort ein riesiges Problem und eine unglaubliche Preisbewegung auslösen, weil das extreme Auswirkungen auf die Folgeprodukte hat.
Es ist kein Produktionsproblem, sondern ein Flow-Problem
Das aktuelle Problem ist – anders als damals bei der Ukraine-Thematik und den Sanktionen gegen Russland, kein Produktionsproblem. Die Länder im Nahen Osten können ganz normal produzieren.
Wir haben aktuell ein massives "Flow-Problem" (Flussproblem).
- 40 % des Öls (40 Mio. Barrel) fließen relativ stabil, aber unflexibel, durch Pipelines.
- 60 % werden über Schiffe transportiert, und genau hier entstehen die Risiken.
Hier kommen die zwei wichtigsten globalen Engpässe ins Spiel:
Die Straße von Malakka (vor Singapur), durch die täglich rund 20 Millionen Barrel fließen, und die aktuell betroffene Straße von Hormus. Durch die Straße von Hormus müssen täglich ebenfalls ca. 20 Millionen Barrel transportiert werden. Der Iran attackiert diesen Bereich derzeit so massiv, dass praktisch kein Schiff mehr durchkommt und diese 20 Millionen komplett ausfallen.
Warum können wir das Öl nicht einfach umleiten?
Viele fragen sich: Warum pumpen Länder wie Dubai, Saudi-Arabien oder Katar das Öl nicht einfach über LKWs oder Pipelines ins Rote Meer? Die Antwort ist simpel: Man unterschätzt, wie unfassbar effektiv Schiffe sind, und es fehlen schlichtweg die Pipeline-Kapazitäten.
Hier unsere Recherche aus dem Family Office, wie viel wir theoretisch umleiten könnten:
- Saudi-Arabien (Ost-West-Pipeline): Kapazität 7 Mio. Barrel. Da schon 3,5 Mio. fließen, können wir hier nur ca. 3,5 Mio. zusätzlich durchschleusen.
- VAE (UAE): Haben eine Pipeline für ca. 0,5 Mio. Barrel.
- Strategische Ölreserven: Selbst wenn Länder Hunderte Millionen Barrel freigeben, bekommt man logistisch am Tag nur etwa 2 Mio. Barrel in den Markt.
- Sonstige: Durch verschiedene kleinere Maßnahmen und Umleitungen lassen sich vielleicht noch ca. 1 Mio. Barrel auftreiben.
- Zwischensumme: Das sind zusammen etwa 7 Mio. Barrel, die wir kompensieren könnten.
- Russland-Sanktionen: Ein logischer Schritt wäre, Russland die Sanktionen zu erlassen (was ich erwarte). Das brächte nochmal ca. 3 Mio. Barrel.
Wir kämen so zusammen auf maximal ca. 10 Millionen Barrel, die wir pro Tag kompensieren könnten. Aber es fehlen 20 Millionen. Nach unseren Recherchen ist absolut unklar, wo diese restlichen 10 Millionen Barrel pro Tag herkommen sollen.
Fazit: Das Messer an Trumps Hals
Das bringt uns zur wichtigsten Erkenntnis: Diese 10 fehlenden Millionen Barrel pro Tag sind buchstäblich das Messer am Hals von Donald Trump. Er muss diesen Krieg schnellstmöglich so beenden, dass der Iran die Straße von Hormus wieder öffnet.
Was das für dein Trading bedeutet: Öl zu traden ist aktuell ein reines Timing-Problem. Wenn die Straße von Hormus nur noch ein, zwei Tage zu ist, ist das vermutlich kein großes Problem, da Lagerbestände, Umleitungen und Reserven das kurzfristig puffern können.
Wenn sie aber länger (noch Wochen) geschlossen bleibt, wird es kritisch. Dann entsteht ein tatsächliches, strukturelles Flow-Defizit im System mit langfristigen Konsequenzen für Inflation und Rezession. Lass das unbedingt in deine Trading-Ideen einfließen!
Schlagzeilen lesen ist keine Strategie, Daten auswerten schon.
Die Rechnung oben mit den fehlenden 10 Millionen Barreln ist exakt die Art von Research, die wir tagtäglich bei mir im Family Office machen. Die breite Masse tradet aktuell nach Emotionen und News-Tickern. Wir traden nach Pipeline-Kapazitäten, Schiffsrouten und harten „Flow“-Daten.
Genau diese fundamentalen Deep Dives teile ich jede Woche im Inner Circle. Wir diskutieren dort nicht nur, ob eine Krise schlimm ist, sondern wie wir unsere Portfolios exakt auf solche Timing-Probleme einstellen, egal ob über gezielte Öl-Trades, Aktien-Rotationen oder taktische Cash-Quoten.
Wenn du den Blindflug beenden willst und Lust hast, mir bei der Steuerung meines 100-Millionen-Portfolios über die Schulter zu schauen:
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