Mir ist scheißegal, ob eine Aktie spannend klingt
21. Oktober 2026
Finanzen

Mir ist scheißegal, ob eine Aktie spannend klingt

Julian Hosp
Julian HospUnternehmer / Investor / Athlet / Familienvater

In der Woche bis zum 16. Oktober 2026 verlor der Nasdaq 100 rund 5,5 Prozent. US-Basiskonsumaktien legten im gleichen Zeitraum, gemessen am Branchen-ETF XLP, etwa 5 Prozent zu. Während sich viele Anleger gefragt haben, wann ihre Chipaktien endlich wieder steigen, legten ausgerechnet die vermeintlich langweiligen Basiskonsumaktien zu. 

Nasdaq 100 vs. US-Basiskonsum im WochenvergleichNasdaq 100 vs. US-Basiskonsum im Wochenvergleich

Für mich zeigt diese Woche vor allem einen Denkfehler: Viele Anleger verwechseln inzwischen den KI-Trade mit dem gesamten Aktienmarkt. Wenn ihre fünf Lieblingstitel fallen, fühlt es sich an, als würde die ganze Welt auseinanderbrechen, obwohl andere Unternehmen gerade ziemlich gut dastehen.

Fünf Lieblingsaktien sind nicht der gesamte AktienmarktFünf Lieblingsaktien sind nicht der gesamte Aktienmarkt

Ich habe im Family Office gerade wieder nachgekauft, weil mich interessiert, welches Geschäft ich zu welchem Preis bekomme und wie es in mein Portfolio passt. Wenn du bei Coca-Cola gelangweilt weiterklickst, während dich das nächste KI-Kursziel sofort begeistert, solltest du dir überlegen, nach welchen Kriterien du deine Investments eigentlich auswählst.

Ich will mit meinen Investments Geld verdienen. Dafür brauche ich Unternehmen, deren Geschäft ich verstehe und deren Bewertung für mich Sinn ergibt.

Drei Kriterien für eine fundierte AktienauswahlDrei Kriterien für eine fundierte Aktienauswahl

Deine Chipaktien sind nicht der gesamte Markt

Schau dir an, wie unterschiedlich dieselbe Woche verlaufen ist: Während der Nasdaq 100 deutlich nachgab, gewann der gleichgewichtete S&P 500 rund ein halbes Prozent. In dieser Variante erhält jedes Unternehmen ungefähr dasselbe Gewicht, wodurch die größten Konzerne den Index weniger stark dominieren. 

Wenn du also sagst, dass gerade alles fällt, lohnt sich zuerst ein Blick darauf, was du mit „alles“ meinst. Vielleicht meinst du die Aktien, über die dein gesamter Feed seit Monaten spricht. Vielleicht auch die fünf Positionen, die mittlerweile den Großteil deines Depots ausmachen.

Drei Marktsegmente mit unterschiedlichen KursentwicklungenDrei Marktsegmente mit unterschiedlichen Kursentwicklungen

Ich schaue mir deshalb gezielt Unternehmen an, deren Kunden aus anderen Gründen Geld ausgeben als wegen des nächsten Rechenzentrums. Ein Medikament muss in die Apotheke, der Wocheneinkauf muss bezahlt werden und ein Getränkehersteller verkauft seine Produkte weiter, auch wenn an der Börse gerade darüber gestritten wird, wie viel Geld mit KI tatsächlich verdient werden kann.

Alltägliche Nachfrage nach Medikamenten, Lebensmitteln und GetränkenAlltägliche Nachfrage nach Medikamenten, Lebensmitteln und Getränken

Fünf Geschäftsmodelle, die viele Anleger unterschätzen

Coca-Cola, Philip Morris, BBB Foods, McKesson und IFFCoca-Cola, Philip Morris, BBB Foods, McKesson und IFF

Coca-Cola (KO) verkauft mehr als Zuckerwasser

Coca-Cola (KO): Geschäftsmodell und VertriebsstrukturCoca-Cola (KO): Geschäftsmodell und Vertriebsstruktur

Coca-Cola ist für viele der Inbegriff einer langweiligen Aktie. Die Firma produziert Getränkekonzentrate und Sirupe, vermarktet ihre Marken und arbeitet mit einem weltweiten Netz aus Abfüll- und Vertriebspartnern. Hinter der Dose im Supermarkt steht ein Geschäftssystem, das sich über sehr viele Jahre entwickelt hat. 

Du kannst darüber lachen, dass damit Geld verdient wird, Zuckerwasser zu verkaufen. Mich interessiert, warum Kunden immer wieder zugreifen, wie stark die Marke ist und was von den Einnahmen übrig bleibt. Ein Produkt muss nicht neu sein, damit ein Unternehmen damit ein gutes Geschäft macht.

Philip Morris (PM) verdient an wiederkehrender Nachfrage

Philip Morris (PM): Zigaretten, IQOS und ZYNPhilip Morris (PM): Zigaretten, IQOS und ZYN

Philip Morris verdient an Nikotin und ergänzt sein klassisches Zigarettengeschäft durch Produkte wie IQOS und ZYN. Bei IQOS wird Tabak erhitzt, ZYN sind Nikotinbeutel. Das Unternehmen steht damit für ein Geschäft, bei dem bestehende Nachfrage über unterschiedliche Produkte bedient wird. 

Philip Morris finde ich für solche Phasen als Kandidaten besonders interessant. Die Frage ist, wie viel das Unternehmen an dieser wiederkehrenden Nachfrage verdient und welchen Preis ich für diese Erträge bezahle. Ob jemand die Aktie für altmodisch hält, spielt bei dieser Rechnung keine Rolle.

BBB Foods (TBBB) verkauft günstige Lebensmittel in Mexiko

BBB Foods (TBBB): Lebensmittel-Discounter in MexikoBBB Foods (TBBB): Lebensmittel-Discounter in Mexiko

BBB Foods betreibt unter der Marke Tiendas 3B Lebensmittel-Discounter in Mexiko. Der Kunde geht dort einkaufen, weil er gute Produkte zu günstigen Preisen haben will. Ob gerade ein neues KI-Modell irgendeinen Benchmark gewinnt, dürfte bei dieser Entscheidung ziemlich weit hinten stehen. 

Solche Firmen werden leicht übersehen, weil die meisten Anleger lieber die Namen kaufen, die sie jeden Tag lesen. Die Bekanntheit einer Aktie in deinem Feed sagt allerdings wenig darüber aus, wie attraktiv das Geschäft dahinter ist. Bei einem Discounter will ich verstehen, ob die einzelnen Filialen Geld verdienen und ob sich weiteres Wachstum wirtschaftlich lohnt.

McKesson (MCK) bringt Medikamente dorthin, wo sie gebraucht werden

McKesson (MCK): Arzneimittelgroßhandel und LogistikMcKesson (MCK): Arzneimittelgroßhandel und Logistik

McKesson verbindet Arzneimittelhersteller mit Apotheken, Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen. Zum Geschäft gehören der Medikamentengroßhandel und die Logistik, die dafür sorgt, dass die Produkte zuverlässig ankommen. 

Wer sich im Gesundheitsbereich ausschließlich für das nächste Wundermedikament interessiert, übersieht leicht die Unternehmen, die an der laufenden Versorgung verdienen. Medikamente müssen schließlich auch dann verteilt werden, wenn gerade kein spektakulärer Forschungsdurchbruch die Schlagzeilen bestimmt. Für mich ist das ein guter Grund, mir diesen Teil der Wertschöpfung anzuschauen.

IFF steckt in Produkten, die du regelmäßig benutzt

International Flavors & Fragrances (IFF): Aromen und DuftstoffeInternational Flavors & Fragrances (IFF): Aromen und Duftstoffe

International Flavors & Fragrances entwickelt unter anderem Aromen für Lebensmittel und Duftstoffe für Pflege- und Haushaltsprodukte. Dazu gehören Anwendungen in Joghurt, anderen Milchprodukten und Produkten für die Körperpflege. Den Namen IFF musst du dafür noch nie gehört haben. 

Das finde ich als Investor interessant: Eine Firma kann im Alltag ihrer Kunden fest verankert sein, während sie in den Börsendiskussionen kaum vorkommt. Aufmerksamkeit und wirtschaftliche Bedeutung sind zwei verschiedene Dinge. Wenn du ausschließlich kaufst, worüber alle reden, schränkst du deine Auswahl ziemlich unnötig ein.

Diese fünf Unternehmen kommen aus unterschiedlichen Branchen. Ihr gemeinsamer Nenner ist, dass sich die Nachfrage nach ihren Produkten und Leistungen wesentlich aus dem Alltag erklären lässt. Ob daraus auch ein gutes Investment wird, hängt vom konkreten Unternehmen und vom Preis ab, den du dafür bezahlst.

Fünf KI-Aktien können fünfmal dieselbe Wette sein

Ein Problem sehe ich bei vielen Anlegern: Sie halten einen Chiphersteller, einen Betreiber von Rechenzentren, einen Serveranbieter und zwei weitere Unternehmen aus dem Umfeld und glauben, damit breit aufgestellt zu sein.

Wenn alle diese Firmen davon profitieren sollen, dass dieselben Kunden immer mehr Geld für KI-Infrastruktur ausgeben, hängt ein großer Teil des Portfolios an derselben Annahme. Unterschiedliche Namen auf dem Depotauszug ändern daran wenig.

Fünf KI-Aktien mit einer gemeinsamen wirtschaftlichen AbhängigkeitFünf KI-Aktien mit einer gemeinsamen wirtschaftlichen Abhängigkeit

Für mich beginnt Diversifizierung bei den Gründen, aus denen ein Unternehmen Geld verdient.

Deshalb interessiert mich, was mit einer Position passiert, wenn die KI-Ausgaben langsamer wachsen, die Zinsen hoch bleiben oder sich die Wirtschaft abschwächt. Ich will verstehen, welche meiner Investments dann gleichzeitig unter Druck geraten können und welche Ertragsquellen weniger davon abhängen.

Fünf KI-Aktien mit einer gemeinsamen wirtschaftlichen AbhängigkeFünf KI-Aktien mit einer gemeinsamen wirtschaftlichen Abhängigke

Gleichzeitig halte ich weiterhin TSMC und ASML, weil ich von ihrer starken Marktstellung überzeugt bin. Meine Aufgabe ist, diese Überzeugung in eine sinnvolle Gewichtung zu übersetzen und mein Portfolio um weitere Geschäftsmodelle zu ergänzen. 

Ein gefallener Kurs ist noch keine günstige Bewertung

Was mich an vielen Diskussionen über Nachkäufe stört, ist diese automatische Gleichsetzung: Die Aktie stand höher, jetzt ist sie gefallen, also muss sie günstig sein.

Der frühere Höchstkurs sagt dir überhaupt nicht, ob der heutige Preis attraktiv ist. Wenn die Erwartungen vorher überzogen waren oder sich die Aussichten verschlechtert haben, kann eine Aktie nach einem deutlichen Rückgang immer noch teuer sein. Umgekehrt kann ein Unternehmen mit steigenden Gewinnen auch bei einem höheren Aktienkurs vernünftig bewertet sein.

Aktienkurs und faire Bewertung im VergleichAktienkurs und faire Bewertung im Vergleich

Bei KI kommt eine weitere Frage dazu: Wie viel Geld bleibt nach den notwendigen Investitionen tatsächlich übrig? Hoher Umsatz und ein positiver operativer Cashflow sehen gut aus. Wenn das Unternehmen anschließend enorme Summen für Infrastruktur ausgeben muss, will ich wissen, welche Rendite diese Ausgaben künftig bringen sollen.

Investitionen können wirtschaftlich sinnvoll sein. Ich will ihre Begründung trotzdem nachvollziehen können, weil Wachstum allein mir noch nicht sagt, was ich als Eigentümer davon habe.

Umsatz, operativer Cashflow und notwendige InvestitionenUmsatz, operativer Cashflow und notwendige Investitionen

Dasselbe gilt für Coca-Cola, Philip Morris oder jeden anderen vermeintlich langweiligen Titel. Ein verständliches Geschäftsmodell rechtfertigt keinen beliebigen Kaufpreis. Wer jetzt einfach den nächsten gestiegenen Aktien hinterherläuft, hat sein Entscheidungsproblem behalten und lediglich die Namen ausgetauscht.

Mein Portfolio soll mehrere Entwicklungen aushalten

Im Family Office prüfen wir solche Kandidaten anhand vergangener Krisen und verschiedener möglicher Entwicklungen. Dazu gehören ein Einbruch bei KI mit oder ohne Rezession, anhaltend hohe Inflation und auch ein weiterlaufender KI-Boom. Diese Arbeit läuft, und sie ist deutlich aufwendiger, als sich von einer KI eine überzeugend klingende Aktienliste ausgeben zu lassen. 

Vier mögliche Szenarien für das AktienportfolioVier mögliche Szenarien für das Aktienportfolio

Ich will selbst verstehen, warum eine Position in meinem Portfolio ist. Es geht um mein Geld, und deshalb reicht es mir nicht, dass ChatGPT eine plausibel formulierte Antwort liefert.

Wenn du dir bei einem Investment ständig Sorgen machst, hast du für mich entweder das Geschäft nicht ausreichend verstanden oder die Position zu groß gemacht. Häufig kommt beides zusammen, und solange die Kurse steigen, fällt dir das kaum auf. Deshalb will ich vor dem Kauf verstehen, was ich besitze und welchen Anteil dieses Investment in meinem Portfolio haben soll. 

Geschäftsverständnis und Positionsgröße im AktienportfolioGeschäftsverständnis und Positionsgröße im Aktienportfolio

Ich muss auch nicht in jedem Investment dabei sein. Wenn ich eine Entwicklung nicht ausreichend beurteilen kann, gibt es genug andere Unternehmen, mit denen ich mich beschäftigen kann. Mein Portfolio soll schließlich auch dann funktionieren, wenn meine bevorzugte Börsengeschichte für eine Weile nicht aufgeht.

Fünf Fragen, die du vor dem nächsten Aktienkauf beantworten solltest

Fünf Fragen vor dem nächsten AktienkaufFünf Fragen vor dem nächsten Aktienkauf

1. Warum gibt der Kunde diesem Unternehmen Geld?
Wenn du darauf nur mit „KI ist die Zukunft“ antworten kannst, fehlt dir die Erklärung für das konkrete Geschäft. Du solltest beschreiben können, welches Problem das Unternehmen löst und warum der Kunde dafür bezahlt.

2. Was bleibt nach den notwendigen Ausgaben übrig?
Umsatzwachstum ist ein Anfang. Für die Bewertung will ich verstehen, wie daraus Gewinne und freier Cashflow werden und welche Investitionen dafür noch nötig sind.

3. Welche meiner anderen Positionen hängen an derselben Entwicklung?
Prüfe die gemeinsamen Kunden, Budgets und wirtschaftlichen Voraussetzungen. Zehn Aktien können dich stärker von einem einzigen Thema abhängig machen, als dir bewusst ist.

4. Welche Erwartungen bezahle ich mit dem heutigen Kurs?
Orientiere dich an nachvollziehbaren Erträgen und Annahmen. Der Abstand zum früheren Höchstkurs ersetzt diese Arbeit genauso wenig wie ein neues Jahreshoch.

5. Passt die Positionsgröße zu meinem Verständnis und meinem Portfolio?
Eine gute Idee kann zu groß gewichtet sein. Überlege dir vor dem Kauf, was eine längere Schwächephase mit deinem Gesamtportfolio machen würde.

Zehn Aktien mit gemeinsamen wirtschaftlichen RisikenZehn Aktien mit gemeinsamen wirtschaftlichen Risiken

Welche Positionen ich im Family Office zuletzt nachgekauft habe und warum, zeige ich im Inner Circle. Dort gehen wir auch die Überlegungen hinter meiner Gewichtung und die Entwicklungen durch, die meine Einschätzung verändern würden.

Wenn du meine Entscheidungen nachvollziehen und für dein eigenes Portfolio besser einordnen willst, findest du hier die Details zum Inner Circle: https://products.i-unlimited.de/inner-circle

Julian Hosp
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